Meine Bücherwürmer


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Cover TimeRiders englisch

Liam O'Connor ist 16 Jahre alt und Besatzungsmitglied der RMS Titanic. Sein Leben scheint kurz vor dem Ende zu stehen, als ein Mann auf dem abgeschotteten Deck auftaucht und ihm seine Rettung anbietet. Ähnlich ergeht es der 19-jährigen Softwareentwicklerin Madelaine Carter aus Boston 2010 in einem abstürzenden Flugzeug und 2026 der 13-jährigen Saleena Vikram in Mumbai. Zusammen landen die drei Jugendlichen im Jahr 2001 in New York, einen Tag vor den Anschlägen vom 11. September. Der Mann stellt sich ihnen als Foster vor und erklärt, dass sie nun eine Gruppe der TimeRiders bilden. Die TimeRiders suchen nach Zeitreisenden, die die Geschichte der Menschheit zu ihren Vorteilen ändern wollen, und stoppen diese. Sal soll die Beobachterin werden, ihre Aufgabe ist es, jeden Tag die New Yorker zu beobachten und nach einer Veränderung Ausschau zu halten, die nicht da sein sollte. Hat sie etwas entdeckt, was am Vortag noch anders war, ist dies mit Sicherheit die Konsequenz einer Zeitreise. Dann kommt die neue Team-Cheffin Maddy mit ihrem Supercomputer zum Einsatz, um den exakten Punkt in der Geschichte zu finden, der verändert wurde. Liam schließlich reist in der Zeit zurück und bringt die Geschichte in Ordnung. Und dann ist da noch Bob, ein genmanipulierter Klon mit einem Computergehirn. Er soll Liam bei seinen Einsätzen unterstützen. Als erste Übung reisen Foster, Liam und Bob nach Texas ins Jahr 1963, um das Kennedy-Attentat zu verhindern. Sal gelingt es gleich, die Auswirkungen auf die Zeitlinie zu entdecken und Maddy kann den Dreien bei ihrer Ankunft genau sagen, wo und wann sie etwas verändert haben.

Im Jahr 2066 überfällt Doktor Paul Kramer mit einer Söldnertruppe das Naturkundemuseum in New York. In dessen Kellern befindet sich versteckt die erste je gebaute Zeitmaschine. Wäre seine Truppe sich ein Feuergefecht mit der Polizei liefert, transportiert Kramer Ausrüstung und Männer nach Deutschland ins Jahr 1941. Dort angekommen beginnt sein Team einen Sturmangriff auf Hitlers Winterresidenz.

In New York spüren die TimeRiders die Auswirkungen der Zeitveränderung. Amerika scheint von den Nazis erobert. Sie müssen nun schnell herausfinden, wo und wann das passiert ist. Doch die ganze Geschichtsschreibung scheint gezielt ausgelöscht worden zu sein. Die neue Geschichte der Menschheit beginnt erst mit der Eroberung Amerikas im Jahr 1956. Liam und Bob werden zurückgeschickt, um Informationen zu sammeln, die dem Team helfen sollen, den Eingriff in die Zeit besser zu lokalisieren. 1956 vor dem Weißen Haus angekommen finden sich die beiden mitten im Angriff der übermächtigen Deutschen wieder. Zwischen feuernden Soldaten haben sie keine Chance rechtzeitig ihren Rücksprungort zu erreichen und stranden in der Vergangenheit. Jetzt können sie nur noch hoffen, dass ihre Teamkameraden im Jahr 2001 sie kontaktieren und ihnen neue und erreichbare Rücksprungkoordinaten senden. Ihr Eintreffen hat jedoch Spuren hinterlassen und treibt Paul Kramer dazu, die Geschichte noch viel schlimmer zu verändern. Das Ende der Menschheit steht bevor und das schränkt auch das Team 2001 stark ein, denn nun fehlt ihnen der für den Zeitsprung notwendige Strom.

Was im Buch nie erklärt wird, ist, warum auf der einen Seite das Team immer wieder die gleichen zwei Tage in New York erleben und alle TimeRiders das Kennedy-Attentat als Trainingsmission benutzen können, ohne sich selbst oder den anderen zu begegnen, sie auf der anderen Seite aber gezielt in die Vergangenheit springen können, um dort andere Zeitreisende anzutreffen und aufzuhalten. Die Mechaniken, Regeln und Konsequenzen der Zeitreise werden nicht erklärt und scheinen einfach immer so zu sein, wie der Autor es für seine Geschichte benötigt.

Unverständlich finde ich wieder einmal, dass ein englischsprachiger Autor viel Gebrauch von deutschen Sätzen und Wörtern macht, das Ganze aber scheinbar nicht einmal von einem Muttersprachler Korrekturlesen lässt. Entsprechend merkwürdig und fehlerhaft fallen einige Passagen in der englischsprachigen Ausgabe aus.

TimeRiders / Wächter der Zeit ist abwechslungsreich und trotz der vielen Wechsel zwischen den verschiedenen Zeiten an keiner Stelle unübersichtlich. Allerdings wirkt die Geschichte auf mich teilweise ein wenig in die Länge gezogen. Die drei Hauptdarsteller haben zwar sehr unterschiedliche Hintergründe, werden aber sehr ähnlich porträtiert und wirken daher austauschbar. Die Jugendlichen finden sich alle überraschend schnell mit ihrem neuen Schicksal als Zeitpolizei ab und an kaum einer Stelle hat man das Gefühl, dass die Situation jetzt gerade gerettet wird, weil einer der Drei anwesend ist und etwas Besonderes beitragen kann. Trotz alledem sind die Charaktere sympathisch gelungen. Ihnen gegenüber steht Kramer, der als Idealist und Weltverbesserer anfängt und als paranoider Führer und Weltzerstörer endet. Bei ihm ist man sich nicht sicher, was man von ihm halten soll. Ohne seine innere Stimme, mit der er immer mehr Selbstgespräche führt, würde er als Bösewicht nichts taugen. Erst diese Stimme verleitet ihn dazu, grausame Taten zu begehen. Wo sie herkommt und warum sie so viel Einfluss auf ihn hat, bleibt jedoch ungeklärt. Generell bleiben einige Fragen offen, die dann aber vielleicht in den Folgebänden geklärt werden. Insgesamt hat TimeRiders / Wächter der Zeit Raum zur Verbesserung, ist aber ein unterhaltsamer Young Adults-Roman.

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